Eine Patin berichtet von ihrem Besuch bei den Likizo-Kindern

Kenia und Likizo hautnah!

2005-2007 arbeitete ich im Klinikum Burgenlandkreis GmbH in Naumburg mit der angehenden Ärztin Annette Rieprecht zusammen und erfuhr so über die Gründung und das Anliegen des Likizo-Vereins, Aids-Waisen aus einem bestimmten Dorf in der Nähe Mombasas die Schulausbildung, Kleidung, Unterstützung für Essen und medizinische Versorgung zu ermöglichen und somit diese Kinder bis zur wirtschaftlichen Selbständigkeit zu begleiten.

Wir übernahmen damals die Patenschaft für einen 12-jährigen Jungen Namens Muruu, der so alt, wie mein ältester Sohn war. Muruu hat 2016 seine Ausbildung zum Automechaniker abgeschlossen und das Ziel der wirtschaftlichen Selbständigkeit ist erreicht!

Da meine Söhne inzwischen studieren und bisher kein neues Patenkind aufgenommen worden war, fasste ich den Entschluss, mir die Vereinsarbeit vor Ort an zuschauen. Ich nahm mit Annette Kontakt auf und wir verabredeten uns im Februar in Mombasa, wo Annette mit Mann und Kindern zu einem längeren Aufenthalt weilte.

Ich hatte so die Möglichkeit, ein paar Tage in einem kenianischen Haushalt zu leben, Land und Leute kennen zu lernen und natürlich die Likizo-Kinder im Dorf und in ihren Schulen zu treffen.

Wir verbrachten so gemeinsam den Aids-Aktionstag und besuchten die Kinder in ihren Schulklassen, sprachen mit Lehrern und Kindern über Probleme.

In den Schulen, die sehr einfach gebaut sind lernen bis zu 78(!!!) Kinder in einer  Klasse. Es gibt strenge Regeln. Jede Schule hat eine eigene Schuluniform und ein Schulmotto ,das eine hohe Motivation zum Lernen beinhaltet. In Klasse 1-8 gibt es 5 Fächer: Englisch, Suaheli, Mathe, Naturwissenschaften und Religion. In jedem Trimester wird ein Examen in jedem Fach geschrieben und es müssen am Schuljahresende mindestens 250 Punkte für die Versetzung erreicht werden.

Wenn Klasse 8 sehr gut abgeschlossen wird, besteht die Möglichkeit die Secondary School für 4 Jahre zu besuchen. Die Schulgebühr beträgt ca. 500 Euro /Kind. 3 der Likizo-Kinder besuchen so eine Schule, die für ein Studium vorbereitend ist. Für sehr gute Schüler besteht die Möglichkeit,ein Stipendium zu erhalten.

Kenia ist ein Land der Gegensätze. Mobiltelefone sind wie bei uns an der Tagesordnung, aber an der Infrastruktur,wie Straßenbau, Energie-, Wasserversorgung, Kanalisation mangelt es.

Korruption ist ein großes Problem, deshalb brauchte der Verein einen langen Atem und einen Rechtsanwalt, bis das Vereinsgrundstück endlich offiziell auf den Verein eingetragen wurde.

Es gibt immer wieder neue Gebühren in den Schulen, die ja eigentlich bis Klasse 8 gebührenfrei sein sollen- Examensgelder, Obolus für Bauarbeiten, Nachhilfegebühren, etc.

Wenn Annette vor Ort ist, wenden sich alle mit ihren Problemen an sie (Bewirtschaftungsfläche auf dem Vereinsgrundstück, Aufnahme neuer Kinder, Meinungsverschiedenheiten untereinander). Es erfordert viel Diplomatie, etwas zu klären, aber auch niemanden vor den Kopf zu stoßen. Auch der Dorfbürgermeister muss mitunter mit einbezogen werden.

Was übernimmt der Verein nun für die Kinder?

Schulgebühren, 2 Schuluniformen und 1x Schuhe pro Schuljahr( je nach Größe und Schulart zwischen 10-50 Euro), das in Trimester von 4 Monaten geteilt ist und im November endet. Die Kosten für das Schulmittagessen (ca.8 Euro/Monat), Unterrichtsmaterialien, ärztliche Versorgung (ein fester Arzt behandelt im Bedarfsfall die Likizo-Kinder)

Auf dem 2,5 ha großem Vereinsgrundstück dürfen die Familien, die ein Likizo-Kind beherbergen, Mais und Gemüse zur Eigenversorgung anbauen.

Die Kinder sind meist bei näheren oder entfernteren Verwandten untergebracht.

Da ich nun einen näheren Einblick hatte und die Möglichkeit einer neuen Patenschaft besteht, werde ich diese übernehmen. Weiterhin werde ich nun gezielt versuchen, Spenden für notwendige Sachen anzuregen und neue Paten oder Vereinsunterstützer zu gewinnen.

In unserer Krankenhauszeitung werde ich einen Artikel über den Verein und meinen Besuch vor Ort schreiben und zu einer Geldspende für die Anschaffung neuer Schuhe für die Kinder zum Jahresende aufrufen.

So war dieser Besuch für mich eine lohnende Erfahrung. Ich habe viele interessante Menschen kennenlernen dürfen und ich denke, ich komme nochmal wieder.

Jacqueline Kühnel

Kombo Dena mit seiner Lehrerin
Amina mit ihrer Freundin in der Kaliang’ombe Primary School
neues Patenkind Aisha (links), ihre Freundin und Jaqueline Kühnel
Kajiwe Primary School
mit Lehrern der Kaliang’ombe Schule
Michael und Jaqueline
In einem Klassenzimmer der Kaliang’ombe school

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